Kommunen gewinnen durch einen intelligenten Energieeinsatz

Der Klimaschutz gehört für die Staatengemeinschaft zu den wichtigsten globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Für Deutschland sind die ehrgeizigen, politischen Zielvorgaben klar definiert: Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung den Treibhausgasausstoß um 40 Prozent unter den Stand von 1990 senken. Die Potenziale für die CO2-Reduktion stecken nicht nur in der Förderung der erneuerbaren Energien. Nach Angaben des BUND wird allein ein Viertel des Energiebedarfs der Europäischen Union zum Heizen und Kühlen von Gebäuden aufgewendet. Eine zentrale Aufgabe in den nächsten Jahren ist aus diesem Grund die Senkung des Energieverbrauchs in allen Gebäuden.


In Deutschland fallen circa 70 Prozent der CO2-Emissionen der öffentlichen Hand in Kommunen an. Diese können daher einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz und zur Steigerung der Energieeffizienz leisten. Darüber hinaus wird in den zahlreichen „Guten Beispielen“ aus Kommunen bereits heute deutlich: Neben der Senkung der CO2-Emission ist auch ein enormer ökonomischer Effekt für die Kommunen zu verzeichnen. Die Energiekosten machen im Durchschnitt derzeit noch den viertgrößten Posten in den kommunalen Haushalten aus – ein intelligenterer Energieeinsatz schont die kommunalen Kassen und steigert außerdem die Wertschöpfung in der Region.

Energieeffizienz als ganzheitliche Aufgabe betrachten
In vielen Komunen finden sich schon gute Ansätze für eine Steigerung der Energieeffizienz. Häufig schöpfen diese Maßnahmen aber noch nicht alle verfügbaren Potenziale aus. Es handelt sich meist um Einzelmaßnahmen, wie beispielsweise ausschließlich die Verbesserung der Gebäudedämmung. Zwar werden durch fachgerechtes Dämmen der Gebäudehülle laut Umweltministeriums Baden-Württemberg bis zu 30 Prozent an Energiekosten eingespart, doch nur in Kombination mit dem Einsatz Erneuerbare Energien sowie moderner Gebäudetechnik können die ambitionierten Klimaschutzziele erreicht werden. In den meisten Gemeinden fehlen bisher noch stringente, ganzheitliche Klimaschutzkonzepte um alle Energiesparpotenziale auszuschöpfen und wirtschaftlich nachhaltige Effekte zu erzielen. Im Fokus dieser Konzepte können je nach Ausrichtung einzelne Gebäudekomplexe bis hin zu ganzen Stadtteilen, Siedlungen oder Kommunen stehen. Das Beispiel des Neubaus einer städtischen Kinderkrippe in Marbach zeigt, wie mit einem ganzheitlichen Konzept die CO2-Emissionen um mehr als 87 Prozent gegenüber herkömmlicher Bauweise gesenkt werden konnten: So wurde das Gebäude als Passivhaus errichtet, Solarenergie unterstützt die Pelletheizung und die Räume sind mit separaten Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung ausgestattet, die über Luftqualitätssensoren gesteuert werden.

Von der Energieautarkie zum Netto-Energieexporteur
Einige Vorreiter unter den Kommunen gehen schon heute einen Schritt weiter und bauen durch den Einsatz erneuerbarer Energien eigene, dezentrale Erzeugungsstrukturen auf. Als einer der ersten hat das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen gezeigt, dass eine CO2-freie Selbstversorgung möglich ist. Inzwischen macht das Modell Schule. Gemeinden wie Lautenbach in Baden-Württemberg oder Linnau in Schleswig-Holstein decken bis zu 95% ihres Energiebedarfs mit Biomassekraftwerken, Biogasanlagen und Holzhackschnitzelanlagen. Mancherorts sind die Gemeinden inzwischen sogar schon auf dem Weg zum Netto-Energieexporteur.

Investitionen zahlen sich aus
Zahlreiche Förderprogramme und Contracting-Modelle ermöglichen Kommunen, auch bei angespannter Haushaltslage in lokale Klimaschutzkonzepte zu investieren. Orientierung durch den ‚Förderungsdschungel’ bieten unabhängige Stellen, wie beispielsweise die Energieagenturen der Bundesländer.
Langfristig zahlt sich das Engagement nicht nur für den Geldbeutel der öffentlichen Haushalte aus. Gerade auch angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise eröffnen sich für Kommunen weitere große Chancen. Laut einer Studie der Insitute ifeu, ISI, gws und Prognos können mit einer Effizienzsteigerung bis zum Jahr 2020 nicht nur 77 Millionen Tonnen CO2 und somit 19 Mrd. Euro eingespart werden, sondern auch 260.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Denn durch die Investitionen in den Klimaschutz modernisieren die Kommunen ihre Infrastruktur und stoßen die Entwicklung von innovativen Technologien an. Damit stellen lokale CO2-Einsparkonzepte wichtige Anreize für die regionale Wirtschaft dar und befördern letztlich auch das Image der Kommunen.

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